Bildungcampus und Braunkohle

Bildungcampus und Braunkohle

Welche Ideen und Ziele der Landrat verfolgt

Ob ich das nahe Liegende erkenne oder einen weiten Blick in die Ferne habe muss nicht daran liegen, ob ich kurz- oder weitsichtig ist. Landrat Götz Ulrich jedenfalls kann beides, sich dem nahe Liegenden widmen und zugleich den Blick in die Ferne, also in die Zukunft richten. Das tat er denn gestern (5.11.) im Zeitzer Rathaus zur Einwohnerversammlung, besser beim Dialog mit Einwohnern.

Das nahe Liegende. Wie ist das mit den Ausländern?

1.554 AusländerInnen leben derzeit in Zeitz. Ulrich widerlegte in wenigen Sätzen mit Fakten und klaren Argumente Behauptungen, hierzulande gäbe man alles Geld Geflüchteten und für Einheimische bliebe nichts. Das sei genauso falsch wie die Annahme, wir könnten im Burgenlandkreis die demografischen Probleme aus eigener Kraft lösen. Für das Jahr 2030 werde prognostiziert, dass die Zahl der beschäftigungsfähigen Menschen um 30% sinken werde. Das sei eine Herausforderung, die ohne Zuwanderung nicht annähernd zu lösen sein werde.
Als praktisches Beispiel nennt Ulrich die Lebensmittelindustrie, die ohne Arbeitskräfte aus den ehemaligen Ostblockstaaten nicht auskommen würde. Also müsse man sich ernsthafte Gedanken darum machen wie man sowohl EU-BürgerInnen als auch Geflüchtete zielgerichtet integrieren könne. Ausgrenzung ist dabei keine Lösung.

Ist es doch nicht so, dass die Angst Deutschland schaffe sich ab und nichts sonst die Menschen beschäftigt? Gab es nun im zahlreichen Publikum Frust und Groll? Im Gegenteil, es gab sogar Vorschläge einer Einwohnerin. Sie könne sich den Einsatz von Geflüchteten etwa in kommunalen Bauhöfen gut vorstellen. Eine Denkaufgabe für Götz Ulrich und Ob Christian Thieme, denn auch das muss letztlich finanziert werden.

Das weiter Entfernte. Ein Bildungscampus in Zeitz?

Zeitz ist wohl weit und breit die einzige Stadt, die Sekundarschulen in Trägerschaft hat. Üblicherweise sind Städte Träger der Grundschulen, Sekundarschulen liegen bei den Kreisen. Götz Ulrich werde der Stadt ein Angebot machen. Er könne sich vorstellen, wegen der Nähe der marodierenden Paul-Wegmann-schule zum GSG das Modell eines Bildungscampus zu verfolgen. Soll heißen: die Wegmann-Schule als zweites Haus des GSG zu nutzen und dort weitere Bildungsaktivitäten anzusiedeln. Dabei sei vieles denkbar. Man könne mit einer ergänzenden Volksbildungseinheit das Profil des GSG schärfen oder noch nicht gedachte Modelle überlegen. Lediglich müsse die Stadt Sorge tragen, das jetzige Haus II (ehemals Baensch-Gymnasium) schulisch zu nutzen, denn dort fließe gegenwärtig viel Geld in die Sanierung. Auch dafür gäbe es schon Überlegungen, wusste Christian Thieme zu berichten. Ein durchaus interessantes Denkmodell. Dass darüber einmal in Ruhe gesprochen würde wünschte sich in der Diskussion Sebastian Nicolai. Bisher wären nur andeutende Häppchen präsentiert worden.

Das weiter Entfernte. Die Region und die Braunkohle

So weit entfernt sind die Jahre 2035 oder 2040 nun doch nicht. Hier in der Region gibt es ein gutes Gefühl dafür, wie kurz 15 Jahre in Zeiten einschneidenden Strukturwandels sein können. Hier weiß man noch wie sich 50% Unterbeschäftigung anfühlen, welche Wunden sie hinterlassen und wie lange es dauert bis sie heilen. Das weiß auch Götz Ulrich und setzt die richtigen Prioritäten.

Zuvorderst auf der Agenda stünde die Bereitstellung adäquater Industriearbeitsplätze, so Ulrich. „…und zwar bevor der Ausstieg aus der Braunkohle erfolgt ist!“ So der Landrat wörtlich und mit Ausrufezeichen. An zweiter Stelle diskutiere man in Richtung Braunkohlekommission die nachhaltige und effiziente Entwicklung der Infrastruktur in der Region. Und man bestehe auf der Ausweisung des Reviers als ein Sonderfördergebiet. Man wolle nicht von Brosamen alimentiert werden, sondern mit einer üppigen Finanzausstattung regional entscheiden dürfen, wofür Geld eingesetzt wird.
Ulrich machte keinen Hehl daraus, das Mitteldeutsche Revier müsse für die Wahrnehmung seiner besonderen Problemlage in Berlin ungleich mehr Aufwand betreiben als etwa das Rheinische oder die Lausitz. Da ist es gut zu wissen, dass sich die Landräte des Mitteldeutschen Revier zusammen taten und in wichtigen Fragen mit einer Stimme sprechen.

Fazit

Gut, der Friedenssaal ist kein Kaminzimmer, in das eingeladen wurde. Es war allerdings ein wohltuender und wahrhafter Dialog mit Götz Ulrich und Christian Thieme. Als Augen- und als Ohrenzeuge nahm ich es als eine Lehrstunde der Demokratie wahr, die ohne jedes lehrerhafte Gehabe auskommt. Eine Begegnung mit einem Dialog auf Augenhöhe: kompetent, ehrlich, direkt, bestimmt und zugewandt.
Über weiter Themen berichten wir später.

  • zugewandt
  • will Schullandschaft verbessern
  • will es in Ruhe erklärt haben
  • wann kommt schnelles Internet nach Theißen
  • verständnisvoll
  • sprach für den TÜV
  • skeptisch
  • seine Stadt im Blick
  • kann schon auch mal schmunzeln
  • Hatte Fragen, bekam Antworten
  • besorgt beim Thema Strukturwandel
  • wann kommt die Schulsanierung
  • besorgt ums Handwerk
  • gute Zuhörer
  • bestimmt beim Thema Kohle
Quelle: zeitzonline.de